DreylandDichterweg

Felix Burckhardt (Blasius)

1906–1992

War Advokat und Notar; gilt als der Basler Stadtpoet, der in seinen vorwiegend baseldeutschen Gedichten Witz, Satire und lyrisches Empfinden in sprachlicher Meisterschaft zu verbinden verstand.

(vorgelesen von Beat Trachsler)

Elsassfährtli

Kuum hesch d Gränzen in dym Rugge,
kuum foosch fremdi Luft aa schlugge,
gseht scho alles anderscht uus.
Frische Wind waaiht dir um d Ohre,
und de bisch wie nei giboore,
vor em Alldaag nimmsch Ryssuus.

* Alti Deerfer, stilli Wälder,
äänen an de braite Fälder
fungglet silberwyss der Rhy.
D Sunne schynt, dur blaui Wyte
heert me Kircheglogge lyte...
Wo kaa s hit so friidlig sy?

Was di blogt het, losch wyt hinde,
langsaam gspyyrsch dy Schwääri schwinde,
sich z vergässe, isch so scheen!
Und no vor der eerschte Fläsche
steggsch dy Schwyzerhäärz in d Däsche
und e Gauloise zwische d Zehn.

Gsehsch die Gäns doo voor dym Waage?
„Foie gras“ dänggsch und gspyyrsch der Maage.
Froog gschwind, wär e Baizli kenn!
Und scho fraisch di, du Schlawyyner,
uff e Scheppli Gwirztraminer
und e „Choucroute alsacienne“.

* Zoobe hesch e lychte Drimmel.
Isch's vom Wy, vom wyte Himmel?
Schwätzisch dumm, gscheet s nit mit Flyss.
S kunnt halt in der douce France
jeede Baasler in e Trance.
Güete Bonjour, Schampedyss!

* Die beiden eingerückten Strophen erscheinen auf der Tafel des DreylandDichterwegs nicht und sind ebenfalls nicht vertont. 

 

 

Leben

Blasius, bürgerlich Dr. Felix Burckhardt, wurde 1906 in Langenbruck im Oberbaselbiet geboren. Nach der Matur absolvierte er sein Jurastudium in Basel, Genf und München und arbeitete nach seinem Studienabschluss als Anwalt und Notar in Basel.

Er amtete viele Jahre als Sekretär der Medizinischen Gesellschaft Basel, später folgte das Amt des Generalsekretärs der Schweizerischen Krebsliga. 1974 wurde sein jahrelanges Engagement für die Medizin mit seiner Ernennung zum Ehrendoktor der Medizin gewürdigt.

Felix Burckhardt wirkte zudem lange Jahre als Präsident der Allgemeinen Lesegesellschaft, war Vizepräsident der Sparkasse Basel sowie Delegierter in der Verwaltung des Stadttheaters.Er zählte zum Kreis der Hebel-Stiftung und war Mitglied der 1836 gegründeten Akademischen Zunft.

Breite Popularität erlangte er unter seinem Pseudonym „Blasius“. Er galt als der Basler Stadtpoet, der Witz, Satire und lyrisches Empfinden mit feinem Sinn für Sprache (Dialekt und Hochdeutsch) und „handwerkliche“ Meisterschaft zu verbinden wusste.

Er dichtete ausschliesslich in gebundener Form und vorwiegend baseldeutsch.

Werke

Vorwiegend heiter. Basel 1949.

Kleine Stadtmusik. Basel 1951.

Soll i oder soll i nit. Basel 1954.

Verzell du das em Fährimaa! Basel 1955.

Spritzfährtli. Basel 1958.

I bin e Bebbi. Basel 1967.

Der Till vo Basel. Basel 1972.

Haimlifaiss. Basel 1984.

Der Baasler und si Wält. Gsammledi Gidicht und Väärs us 50 Johr. Basel 1986.

©Universitätsbibliothek Basel, Fotograf: André Muelhaupt, ©GS-Verlag Basel