DreylandDichterweg

Fritz Liebrich

1879–1936

War Primarlehrer im Sevogelschulhaus; Hebelforscher; Mundartlyriker und Dramatiker; Mitglied der Staatlichen Kommission zur Förderung des heimischen Schrifttums.

(vorgelesen von Beat Trachsler)

D Fääri

Si goot so rueig allewyyl hiin und häär,
drait alles iber s Wasser, nyt isch z schwäär.
De zaalsch dy Batze, gmietlig sitzisch doo.
E weeneli ruuscht s, e weeneli duuslet s soo
und pflotscht im Wasser. Äänedraa stygsch uus.
Was findsch? E nooche Wääg, am Änd dy Huus.
Velicht au Rue. Si nimmt di still in Aarm
und mummelet di yy, verschyycht der Schwaarm
vo Mugge, Soorge, wo no stygt und fallt
und sich um d Seel wie beesi Gaischter ballt.
Hee, Fäärimaa, Schällehaup! Mach schnäll, faar zue!
An s ääner Uufer, in die ääneri Rue!

In: Die baseldeutschen Gedichte 1979
Fritz Liebrich, Basel (1879–1936), CH

pflotscht: platscht, plätschert
mummelet: hüllt
Mugge: Mücken
Schällehaup: alter Mahnruf
ääneri: jenseitige

Leben

Fritz Liebrich wurde 1879 in Basel geboren und besuchte nach dem Humanistischen Gymnasium das Lehrerseminar in Basel. Von 1901–1934 war er als Lehrer am Sevogelschulhaus tätig. Nach expressionistischer hochdeutscher Lyrik wandte Liebrich sich ganz der Mundartdichtung zu und war ein bedeutender Mundartlyriker und -dramatiker, daneben auch Feuilletonist. Als Hebelforscher verfasste er 1918 eine Biographie über Johann Peter Hebel und schrieb 1920 das Dialektdrama Masken. Es folgten Mundartgedichte Die Stille Gasse (1924), die hochdeutschen Gedichte Meine Stadt (1925) und die Arbeit Johann Peter Hebel und Basel (1926), D'Fähri (1932) eine Sammlung von Dialektgeschichten und posthum die Die baseldeutschen Gedichte (1979). In seinen formvollendeten und sprachlich reichen Gedichten werden baslerische Motive symbolisch überhöht und damit aus dem rein Lokalen herausgehoben. Fritz Liebrich war Mitglied des PEN-Clubs, des Schweizerischen Dichtervereins, der Schweizerischen Literaturfreunde, der Basler Hebelstiftung und der Odd-fellows-Loge Nr 11 Zu den drei Ringen.

Werke (in Auswahl)

Johann Peter Hebel. Basel 1918.

Masken, ein Aufzug (Mundart). Basel 1920.

Meine Stadt. Gedichte. Leipzig 1923.

Die stille Gasse. Baseldytschi Gidicht. Basel 1924.

J. P. Hebel und Basel. Basel 1926.

D Fähri. Gedichte in Basler Mundart 1932.

Baseldytsch. Mundartgedichte aus dem Nachlass. Basel 1938.

Baseldytsch. Die Basler Mundart – Gedichte von Fritz Liebrich. Basel 1951.

Die baseldeutschen Gedichte von Fritz Liebrich. Basel 1979.

©Universitätsbibliothek Basel, Fotograf: Wilhelm Ochs-Walde