DreylandDichterweg

Julius Ammann (Sebastian Hämpfeli)

1882–1962, Bettingen

Sebastian Hämpfeli, bürgerlich Julius Ammann, wuchs in Trogen (Appenzell) auf. Ausbildung zum Primarlehrer in Zürich. Anschliessend Lehrer an der Taubstummenanstalt Riehen und von 1910–1945 Hausvater der Anstalt für schwachbegabte Taubstumme in Bettingen. Schrieb unter dem Pseudonym „Sebastian Hämpfeli“ baseldeutsche Gedichte.

(vorgelesen von Beat Trachsler)

Im Bluescht

Und immer blybt me drunder stoo,
cha schier de Blick nit loo drvoo.
Dä Baum voll Bluescht, voll Duft und Glascht
verschänkt sich ganz mit Zwyyg und Ascht:
Gsehsch au, wie guet i s mäin und mach?
E Stäärnehimmel isch my Dach.
Und stuunt me znacht dr Himmel aa,
wie ame Blueschtbaum hängt s do draa,
e Chroone, schier wie überschneit,
wo Millione Stäärne träit.
E Himmelryych, wo sich verschänkt
voll Fröid und Trooscht. – Hesch scho draa dänkt?

Leben

Sebastian Hämpfeli, bürgerlich Julius Ammann, wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinem Grossvater mütterlicherseits in Trogen (Appenzell) auf. Nach dem Besuch der dortigen Kantonsschule machte er am evangelischen Lehrerseminar in Zürich eine Ausbildung zum Primarlehrer. Im Seminar wurde er auf das Gebiet der Blinden- und Taubstummen – Erziehung hingewiesen und beschloss, sich diesem pädagogischen Bereich zuzuwenden.

Von 1902–1910 unterrichtete er an der Taubstummenanstalt in Riehen und konnte in diesen Jahren Erfahrungen sammeln für seine anschliessende Tätigkeit als Hausvater der Taubstummenanstalt für Schwachbegabte in Bettingen. Julius Ammann versah sein verantwortungsvolles Amt als Hausvater mit Hingabe von 1910 bis zu seiner Pensionierung 1945. Er leistete in erster Linie als Pädagoge Hervorragendes und entwickelte erfolgreich neue Methoden auf dem Gebiet der Gehörlosenausbildung.

Sein angeborenes dichterisches Talent fasste er als „Liebhaberei“ auf, die er als zusätzliche Gabe pflegte. Er schrieb Verse für seine gehörlosen Kinder  und verfasste vier Bände Appenzeller Mundartgedichte, die ihn zum bedeutsamsten Appenzeller Mundartdichter des 20. Jahrhunderts machten. Er wird als „Hebel des Appenzellerlandes“ bezeichnet.

Unter dem Pseudonym Sebastian Hämpfeli schrieb er auch Gedichte auf „Bettinger-Alemannisch“, die in der „Riehener Zeitung“ und der „National Zeitung“, Basel,  erschienen.

Julius Ammann erwarb das Bettinger Bürgerrecht und amtete während 28 Jahren als Gemeindeschreiber.

Werke

Appezeller Spröch ond Liedli. Gesamtausgabe der Gedichtsammlungen. Herisau/Trogen 1976.

Literatur

H. Krattiger: „Julius A. alias Sebastian Hämpfeli“, in z’Rieche, Jahrbuch 1982, 155–167.

Archive

Verkehrsverein Bettingen, Nachlass (ca. 300 Gedichte)

Fotograf: Hans Bertolf