DreylandDichterweg

Theobald Baerwart

1872–1942, Basel

War Sekretär der Eidgenössischen Zolldirektion in Basel; schrieb Gedichte und Prosatexte, mehrheitlich auf Baseldeutsch

(vorgelesen von Beat Trachsler)

My Basel

Daas isch my Stadt, my Basel
am Gnei vom wilde Rhy;
es kennt e bitzli greesser,
doch s kennt nit lieber sy.

S macht vo sich nit vyyl Wääse,
blagiert nit mit der Graft;
sy Liebi gheert der Arbed,
sy Ruehm isch d Wisseschaft.

Johrhundert hänn s umbrandet
mit Grieg und Gwitterstiirm
und immer no in d Wulgge
dien raage d Minschterdiirm.

Und immer no duet ruusche
my lieben alte Rhy.
Hit zoobe, noh de Säxe,
gang i go baade dryy!

Leben

In Riehen geboren, verlebte Theobald Baerwart im Kleinbasel zwischen 1877 und 1891 eine farbige erlebnisreiche Jugendzeit. Seine berufliche Tätigkeit als Sekretär der Eidgenössischen Zolldirektion in Basel liess kaum auf seine lyrische Begabung schliessen. Während seiner ganzen beruflichen Tätigkeit und bis zu seinem Tod lebte er in Binningen und begann dort erstmals Erlebtes aufzuschreiben. Seine 1918 publizierten „Rosswiler Geschichten“ waren noch auf Hochdeutsch verfasst. Nach diesem ersten Werk begann Baerwart seine Kleinbasler Jugenderinnerungen festzuhalten und schrieb nun seine zahlreichen Gedichte und Prosatexte zum grössten Teil in Mundart. Viele seiner Geschichten mit Lokalkolorit wurden bereits in den frühen 20er Jahren in der „National Zeitung“ publiziert. Brauchtum wie der Vogel Gryff, die Fasnacht oder die Herbstmesse beschrieb er ebenso treffend wie Kleinbasler Archetypen oder die Jahreszeiten. Sein Baseldeutsch entsprach dabei nicht dem geschliffenen „Dalbeneesisch“, sondern widerspiegelte in seinem Idiom den Kleinbasler Charme. Während vier Dezennien wirkte Theobald Baerwart in der Basler Sängertafel. Er amtete während Jahrzehnten als Schreiber der Zunft zu Brodbecken und beglückte seine Zunftgenossen oft mit humoristischen Stiggli und Gedichten und war Mitglied der Kommission der Basler Hebelstiftung.

Werke

Rosswiler Geschichten, Basel 1918.

Sällmol, Basel 1926.

Im Morgerot. Glaibasler Erinnerige. Basel 1929.

Im diefschte Glaibasel. Plaudereien us der Juged. Basel 1935.

Missi, der Held im Duubeschlag. Plaudereie. Basel 1936.

Maisepfiff. Baseldytschi Värs. Basel 1936.

My glaini Wält. Plaudereie. Basel 1941.

Sunnebligg. Basel 1941.

Die gesammelten Werke in zwei Bänden:
Im diefschte Glaibasel, Basel 1967
My glaini Wält, Basel 1969.

© Universitätsbibliothek Basel, Fotograf: August Jehle-Blaser